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Angstkultur vs. Speak-up Kultur: Warum Mitarbeitende bei Problemen lieber schweigen

Woran erkennt man eigentlich eine Speak-up Kultur? Keine leichte Frage, aber eine entscheidende Rolle scheint der Umgang mit Problemen und Konflikten im Unternehmen zu spielen. Denn in einer Angstkultur fürchten Mitarbeitende negative Konsequenzen, wenn sie Bedenken offen ansprechen.

Letztes Jahr veröffentlichte das forsa Institut eine aufschlussreiche Studie, in der Mitarbeitende aus dem Öffentlichen Dienst über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Benachteiligung im Berufsleben berichteten. Die Ergebnisse schärfen den Blick für den Umgang mit Problemen, Konflikten oder Fehlverhalten in Unternehmen – denn im schlimmsten Fall entsteht durch mangelnde positive Impulse, wie beispielsweise ermutigende Kommunikation, eine schädliche Angstkultur.

Nehmen wir das Beispiel sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Über 40 Prozent der Befragten glauben, dass sexuelle Belästigung oder sexistisches Verhalten stark oder sehr stark im beruflichen Umfeld verbreitet ist. Jede*r Dritte hat schon einmal Sexismus im Job erlebt – und trotzdem werden fast drei von vier dieser Fälle nicht gemeldet.


Eine Angstkultur liegt vor, wenn Mitarbeitende Probleme, Konflikte oder Fehlverhalten aus Angst vor den Reaktionen und Konsequenzen nicht ansprechen.

 

Aber warum werden so viele Sexismus-Erfahrungen verschwiegen? Ein Drittel der Befragten gab an, dass Unsicherheit und Angst vor beruflichen Nachteilen der Grund dafür seien. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die meisten Betroffenen oder Beobachter*innen entweder die verursachende Person direkt konfrontieren, oder sich auf der Suche nach Unterstützung an ihre Führungskraft wenden.

Letztere wurde in den seltensten Fällen ausreichend geschult und in beiden Fällen mangelt es an oft an Unbefangenheit, um eine solche Meldung neutral aufzunehmen. Dementsprechend erfahren zwei von drei Mitarbeitenden, die sexuelle Belästigung oder sexistisches Verhalten ansprechen, eine Form der Ablehnung, Bagatellisierung oder eine Zuweisung von Mitschuld.

Mitarbeitende erleben also enorm belastende Situationen wie sexualisierte Übergriffe, aber Scham, Angst und Unsicherheit halten sie davon ab, sich jemandem innerhalb des Unternehmens anzuvertrauen. Dies erschwert jedoch den Zugang zu Hilfe und macht eine Lösung der Situation unmöglich.

Dieser Zustand in Unternehmen wird auch als Angstkultur bezeichnet. Aber es geht auch anders:

In einer Speak-up Kultur agieren Mitarbeitende weitestgehend angstfrei. Google benennt diese psychological safety sogar als wichtigsten Faktor für den Erfolg von Teams. Denn wer ohne Angst vor den Reaktionen oder negativen Konsequenzen im Team kommunizieren kann, äußert auch mehr unübliche Ideen und kooperiert erfolgreicher. Konflikte werden früher sichtbar und nach belastenden Erfahrungen suchen Mitarbeitende schneller Hilfe.

 

Eine Speak-Up-Kultur liegt vor, wenn eine Organisation das Ansprechen von Bedenken und Fehlverhalten fördert, schätzt und schützt.

Unternehmen und ihre Mitarbeitenden profitieren also nicht nur im Extremfall “Fehlverhalten melden” von einer solchen Speak-up Kultur. Alle Merkmale eines angstfreien Miteinanders wirken sich positiv auf die Innovationskraft und die Produktivität der Teams aus. So können Unternehmen durch die neu gewonnene Transparenz einer Speak-up Kultur sogar ihren Kulturwandel vorantreiben – während sie gleichzeitig die Verantwortung wahrnehmen, dass alle Mitarbeitenden sich am Arbeitsplatz wohlfühlen.

 

Lara von Petersdorff-Campen

Lara von Petersdorff-Campen

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